Holzschutz: Veröffentlichung der neuen DIN 68800-01 bis -04, bauaufsichtliche Einführung der alten DIN 68800-02: 1996.05 und  DIN 68800-03: 1990-04

Auch auf dem Fachgebiet des Holzschutzes wurden dieses Jahr neue DIN-Normen veröffentlicht. Im Einzelnen handelt es sich um die
DIN 68800-01: 2011-10 Holzschutz – Teil 1: Allgemeines
DIN 68800-02: 2012-02 Holzschutz – Teil 2: Vorbeugende bauliche Maßnahmen im Hochbau
DIN 68800-03: 2012-02 Holzschutz – Teil 3: Vorbeugender Schutz von Holz mit Holzschutzmitteln
DIN 68800-04: 2012-02 Holzschutz – Teil 4: Bekämpfungs- und Sanierungsmaßnahmen gegen Holz zerstörende Pilze und Insekten

Mit der zeitgleichen, auf einander abgestimmten Erstellung und Veröffentlichung aller 4 Normenteile wurde diese Holzschutznorm komplett neu konzipiert. Die Normenteile bauen aufeinander auf. Sie berücksichtigen zugleich die relevanten Europäischen Normen und behandeln dort nicht berücksichtigte Aspekte. Der Holzschutz wird als Bündel aller erforderlichen Maßnahmen zum Schutz des Holzes verstanden. Der chemische Holzschutz wird als „letzte“ mögliche Maßnahme betrachtet, die erst nach erfolgloser Ausschöpfung aller anderer, insbesondere baulicher  Schutzmaßnahmen zur Anwendung kommen darf.
Besonders hervorgehoben wird daher der konstruktive Schutz des Holzes durch entsprechende bauliche Maßnahmen, die bereits mit der Lagerung und dem Transport des Holzes beginnen. Mehr Gewicht bekommt auch die Planung des Holzschutzes. Die Planer sind aufgerufen, den Schutz des Holzes durch entsprechend geeignete konstruktive sowie technologische Maßnahmen zu planen.
Bei der Sanierung von Holzschäden wird nun unterschieden zwischen einem Befall durch den Echten Hausschwamm und dem Befall durch andere holzzerstörende Pilze. Wird durch einen Holzschutzsachverständigen der Befall durch den Echten Hausschwamm ausgeschlossen, sind Rückschnittmaßnahmen nicht mehr zwingend erforderlich, sofern eine starke Substanzschädigung einen Rückschnitt nicht aus statisch-konstruktiven Gründen erforderlich macht.
Nur braunfäulegeschädigte Holzbauteile können nun bis zum gesunden Querschnitt bebeilt und ggfs. entsprechend der vorherrschenden Gebrauchsklasse chemisch nachgeschützt werden.
Diese neuen Sanierungsmaßnahmen können den Sanierungsaufwand pilzbefallener  Holzkonstruktionen deutlich verringern, setzen jedoch die Beratung eines kompetenten Holzschutzsachverständigen voraus.

Die Anwendung der neuen Holzschutznormen wird Berlin und Brandenburg in Folge der derzeitigen bauaufsichtlichen Einführung der alten DIN 68800-02: 1996.05 und  DIN 68800-03: 1990-04  gemäß der Liste der Technischen Baubestimmungen des Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft vom 04. Juni 2012 verhindert. Auch in  Berlin sind diese beiden Normen gemäß der Ausführungsvorschriften Liste der Technischen Baubestimmungen (AV LTB) vom 23. Mai 2012 der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt bauaufsichtlich eingeführt und daher zwingend anzuwenden. Dieser Zustand ist für die Praxis unhaltbar. Denn während z. B. die Gefährdungsklassen in der alten DIN68800-03: 1990-04 derzeit verbindlich geregelt werden, werden in der gültigen, jedoch bauaufsichtlich nicht eingeführten neuen DIN 68800-01:2011-10 die neuen Gebrauchsklassen definiert, auf welche die ebenfalls neue DIN 68800-04: 2012-02 bei der Bekämpfung Bezug nimmt. Damit wird das neue übergreifende Konzept der Normenreihe DIN 68800-01 bis -04 für die Praxis derzeit ad absurdum geführt.

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